Bei der Organisation von Sonderausstellungen sind die Kunstwerke konstant in Bewegung, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Museums. Die Registratur des Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid behält stets im Blick, wo sich die Kunstwerke gerade befinden. So wird sichergestellt, dass beim Transport und bei der Entgegennahme eigener bzw. geliehener Sammlungen und Kunstwerke alle internationalen Empfehlungen im Hinblick auf die präventive Konservierung sowie die Anweisungen des Leihgebers eingehalten werden.

Zu den Aufgaben von Registrar:innen gehört auch die Installation und Beleuchtung aller Ausstellungsstücke im Museum. Sie verwalten zudem alle Leihverträge sowie die Versicherung und den Transport der Leihgaben. Hierzu gehört auch die Organisation persönlicher Kuriertransporte. Alle Bewegungen der Kunstwerke werden in einer Datenbank registriert und es werden regelmäßige Bestandsaufnahmen der Sammlung durchgeführt.

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Im Jahr 1992 organisierte die Registratur in Zusammenarbeit mit Villa Favorita den Transport der Thyssen-Bornemisza-Sammlung von Lugano nach Madrid. Zu dieser Zeit war das Museum neben dem Institut Valencià d’Art Modern noch eines der wenigen Museen mit eigener Registraturabteilung.

Die Kunstwerke aus der Thyssen-Bornemisza-Sammlung sind vor ihrer Zeit in Madrid bereits um die ganze Welt gereist. Die Museumsmitarbeiter:innen haben sich um alle Details gekümmert, damit die Kunstwerke in internationalen Ausstellungen präsentiert und im Rahmen wissenschaftlicher Projekte renommierter Spezialist:innen aus Europa, den Vereinigten Staaten, Japan und Australien untersucht werden können. Die Registratur erstellt die notwendige Dokumentation für den internationalen Transport der Ausstellungsstücke. Zusätzlich zu einem Leihvertrag muss eine besondere Versicherung für Kunstwerke abgeschlossen oder eine Exportgenehmigung eingeholt werden, sofern ein Transport außerhalb Spaniens geplant ist.

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Die Arbeit der Registratur unterliegt strengster Vertraulichkeit. Genau aus diesem Grund zählt diese Abteilung zu den unbekanntesten Bereichen des Museums – und das, obwohl sie eine so wichtige Rolle bei der präventiven Konservierung der Sammlungen, Leihgaben und Deposita von anderen Institutionen spielt. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit anderen Museen hat sich die Abteilung ein umfassendes Netzwerk aus Institutionen aufgebaut, das auf gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung basiert.

Mastercard hat sich mit Beatriz Blanco Viña, der leitenden Registrarin der Thyssen-Bornemisza-Sammlung zusammengesetzt. Sie arbeitet seit 2004 in der Abteilung und ist seitdem für die Verwaltung von Leihgaben und Kurierfahrten verantwortlich. Zudem hat sie an vielen Sonderausstellungen im Thyssen-Bornemisza mitgewirkt, unter anderem „Balenciaga and Spanish Painting“, „Monet/Boudin“, „Renaissance Venice“ und „Caravaggio and the Painters of the North“. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Rechtswissenschaften von der Universität Complutense Madrid (1999) und ein Diplom von der Madrid School of Art and Antiquities (2003). Viña gibt einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen des Museums Thyssen-Bornemisza.

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–Q&A–

Was bedeutet es für Sie, in der Registratur des Museums zu arbeiten?

Die Verwaltung der Leihgaben ist für uns immer eine Herausforderung. Aber die Weitergabe und weltweite Ausstellung der Kunstwerke außerhalb unseres Museums ist ein zentraler Grundgedanke der von der Familie Thyssen geschaffenen Sammlung. Allerdings müssen wir beim gesamten Leih- und Transportprozess extreme Vorsichtsmaßnahmen treffen.

Welchen neuen Herausforderungen mussten Sie sich in Ihrer Arbeit als Registrarin in letzter Zeit stellen?

Die nächste große Herausforderung für uns wird das Thema Nachhaltigkeit bei Sonderausstellungen sein. Denn diese Ausstellungen werden zunehmend teurer, besonders im Hinblick auf den Transport und die Versicherung der Kunstwerke. Jeder noch so kleine Beitrag zählt. Anstatt einer komplett neuen Verpackung versuchen wir, Kisten soweit wie möglich wiederzuverwenden und an das jeweilige Kunstwerk anzupassen. Seit Beginn der Pandemie sind wir bei herkömmlichen physischen Postsendungen auch per Video beim Auspacken und bei der Installation dabei, sodass wir genau mitverfolgen können, was in den Museen mit unseren Leihgaben passiert.

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Welche Schwierigkeiten bringt Ihre Arbeit mit sich und wie haben Sie diese gemeistert?

Die wichtigsten Aspekte in meiner täglichen Arbeit sind eine solide Planung vorab und flexible Lösungen für Probleme, die wir so nicht vorsehen konnten. So können wir viele Transporte in kurzer Zeit abwickeln, ohne dabei Kompromisse im Hinblick auf die geltenden Museumsstandards einzugehen. Bei Ausstellungen ist es für uns wichtig, dass private Auftraggeber unsere Grenzen und Einschränkungen bei Vertragsdienstleistungen verstehen. Denn schließlich sind wir eine Einrichtung des öffentlichen Sektors.

Was ist für Sie das Besondere an Ihrer Arbeit?

Nach monate-, manchmal jahrelanger Planung einer Sonderausstellung ist es ein wirklich besonderes Gefühl und auch spannend, wenn man das gelieferte Kunstwerk endlich auspacken darf. Wenn der Deckel der Kiste entfernt wird und wir das Kunstwerk aus nächster Nähe bestaunen dürfen, sind all die vorherigen Strapazen aus dem Planungs- und Leihprozess schnell vergessen. Einige Kunstwerke hinterlassen einen bleibenden Eindruck und bleiben uns lange in Erinnerung. Ich weiß noch ganz genau, wie es war, das Werk „Der Reigen der kleinen Bretoninnen, Pont-Aven“ (1888) von Paul Gauguin auszupacken, das wir 2004 als Leihgabe von der National Gallery in Washington, D.C., für unsere Ausstellung „Gauguin and the Origins of Symbolism“ bekommen haben.

Was an Ihrem Job ist unbezahlbar?

Wenn wir eine unserer Leihgaben zurückerhalten, ist es für mich eine große Ehre, das Kunstwerk wieder in unserem Museum auszustellen. Wir können uns sehr glücklich über diese großartige Sammlung und das herausragende Team schätzen, dass sich unermüdlich für den Erhalt dieser außerordentlichen Kunstwerke einsetzt.

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