Von St Andrews und Prestwick über Muirfield und Portrush bis Carnoustie – die Liste der Werke des legendären Golfarchitekten Old Tom Morris liest sich wie eine Hitliste berühmter Austragungorte der Open Championship. Nur sehr wenige Gestalter haben dem Golf einen so nachhaltigen Stempel aufgedrückt wie der in St Andrews geborene und aufgewachsene „Grand Old Man of Golf“.

Eigentlich wären vier Siege in der Open Championship schon genug, um ein bleibendes Andenken an einen Menschen zu hinterlassen, aber nicht bei Old Tom Morris.


Old Tom war ein begnadeter Spieler, einer der größten in den frühen Tagen des Golf als Wettbewerbssport.

Bei der ersten Open Championship 1860 belegte er den zweiten Platz hinter seinem unerbittlichen Rivalen Willie Park, aber im nächsten Jahr gewann er das Turnier, und ebenso 1862, 1864 und 1867. Durch diesen letzten Sieg wurde er mit 46 Jahren zum ältesten Spieler, der je die Open Championship gewann, und der Abstand, mit dem er ein Major-Turnier gewann – 13 Schläge bei seinem Triumph 1862 – war ein Rekord, der erst von Tiger Woods beim US Open 2022 gebrochen wurde.

Aber er war noch viel mehr. Und gerade das macht ihn zu einer der wichtigsten Figuren in der Geschichte des Golf.

Er war Greenkeeper, Schläger- und Ballmacher, Golflehrer, Pionier und – vielleicht am wichtigsten – Golfplatzarchitekt. Der Ehrentitel „Grand Old Man of Golf“ ist also mehr als verdient. „Ohne Tom Morris gäbe es wahrscheinlich keine Open Championship, denn gerade wegen seinem Können, seinem Einfluss und der großen Achtung, die er bei Golfern der besseren Gesellschaft genoss, wollten diese ihn gewissermaßen in Prestwick präsentieren und sagen: Schaut nur, was Tom aus unserem Platz gemacht hat“, erklärt Hannah Fleming vom British Golf Museum. „Und dazu konnte er ja auch Schläger herstellen, Plätze gestalten und auf jeden Aspekt des Spiels Einfluss nehmen.“

gt_oldtom_priceless6__L.jpg

Thomas Mitchell Morris ist 1821 in St Andrews als Sohn eines Webers geboren und dort aufgewachsen. Mit 18 Jahren wurde er Lehrling bei Allan Robertson, der als erster Golf-Profi gilt und der in St Andrews eine Werkstatt für Golfschläger und -bälle betrieb.

Bei Freundschaftsspielen als Duo auf dem Platz waren sie ebenso leistungsstark wie im Geschäft und legten den ersten 10-Loch-Platz in Carnoustie an. Zum Bruch kam es jedoch, als Old Tom begann, mit neuen Bällen aus dem kautschukähnlichen Material Guttapercha zu spielen – zur Empörung von Robertson, der selbst genähte Lederbälle mit Federfüllung, so genannte „Featheries“, herstellte.

Old Tom trennte sich von Robertson (allerdings bestritten die beiden weiterhin lukrative Spiele als Duo) und wurde 1851 Greenkeeper beim gerade erst gegründeten Prestwick Golf Club. Das war sein erster Schritt zur Gestaltung bzw. Mitgestaltung von über 100 Golfplätzen.

Während seiner Zeit an der Küste von Ayrshire führte er auch Greenkeeping-Methoden ein, die heute in der Branche allgemein üblich sind.

Old Tom trat für das Absanden der Grüns zur Verbesserung der Bodeneigenschaften ein, verbreiterte die Fairways, um Platz für die ständig wachsende Zahl von Golfspielern zu schaffen, legte Tees an jedem Loch an und organisierte die Wartung der Bunker, anstatt sie schutzsuchenden Schafen und dem Wind zu überlassen.

Seine Arbeit in Prestwick blieb im Royal & Ancient Golf Club nicht unbemerkt und brachte ihn 1865 zurück nach St Andrews, wo er den halb verfallenen Old Course wieder herrichten sollte. Old Tom verschönerte ihn nicht nur, sondern machte ihn auch für das Spiel attraktiver: so verbreiterte er die Fairways, beseitigte Stechginster, schuf zwei neue Grüns – das 1. und das 18. – und vergrößerte einige der anderen.

Er änderte die Gestaltung von Bunkern und traf eine wichtige neue Entscheidung: die Spielrichtung entgegen dem Uhrzeigersinn. Den charakteristischen Merkmalen des Platzes gab er Namen wie „Hell Bunker“ und „Valley of Sin“.

Old Tom blieb bis 1903 in dieser Position und legte in dieser Zeit in St Andrews den „Himalayas Putting Course“ für Damen an, denn er engagierte sich sehr dafür Golf auch für Frauen zugänglich zu machen – was zu dieser Zeit keineswegs auf allgemeine Billigung stieß.

Der Gestalter des Old Course gilt allgemein als ungekannt, möchte man ihn aber jemandem zuschreiben, dann in jedem Fall Old Tom.

Mit vier Siegen bei der Open Championship und der Mitarbeit am berühmtesten Golfplatz aller Zeiten hätten sich die meisten Menschen wohl zufrieden gegeben, aber nicht Old Tom.

Nicht nur dass er an mehr als 100 anderen Golfplätzen beteiligt war – er schuf auch einige der berühmtesten und ehrwürdigsten Plätze der Welt.

Der Championship Course des Royal County Down Golf Club gilt zusammen mit dem Old Course von St Andrews als bestes Werk von Old Tom. In ihm vereinigen sich atemberaubende Landschaften mit freier Rundumsicht auf das Spiel, was nur eine Handvoll Golfplätze weltweit bieten und einer davon stammt ebenfalls von Old Toms Hand. Unter den öffentlich zugänglichen Plätzen rangiert er auf Platz 2 weltweit, nach – wie könnte es auch anders sein – dem Old Course.

In Prestwick entwarf, baute und pflegte er den Golfplatz, auf dem die Open Championship ihren Anfang nahm und bekannt wurde. Dieser eigenwillige Links-Platz gehört zum Pflichtprogramm jedes echten Golf-Begeisterten. Er bietet nicht nur seine Geschichte, sondern auch eine Reihe von berühmten, unvergesslichen und herrlich irritierenden Löchern.

Old Tom gestaltete 1891 in Muirfieldeinen 16-Loch-Platz, der allgemein als fordernde, aber faire Aufgabe gilt und von den meisten Profis als bester Austragungsort der Open Championship angesehen wird. Auch Harry Colt war an der Gestaltung beteiligt: Er formte den ursprünglichen Platz mit dem von der Honourable Company of Edinburgh Golfers 1923 zugekauften Land um.

gt_oldtom_priceless4__L.jpg

Mit Royal Dornoch verbinden viele wohl zuerst Donald Ross, tatsächlich aber hat Old Tom den Platz 1886 auf 18 Löcher erweitert. Auf ihn gehen auch die ersten „Plateau Greens“ zurück, jene umgedrehten Untertassen gleichende Formen, die den Golfplatz unverwechselbar machen. Einen markanteren Golfplatz wird man kaum finden: auch hier hat Old Tom einen Ort geschaffen, den ein ambitionierter Golfer einfach erlebt haben muss.

1899 reiste Old Tom nach Aberdeenshire und schuf dort die exzentrischen Links von Cruden Bay inmitten von Dünen, die sich als ideal für das Entdecken von Löchern der besonderen Art erwiesen. Unter den Top 100 der „Fun Courses“ in Großbritannien und Irland, also den Golfplätzen, die das meiste Spielvergnügen bieten, belegt Cruden Bay Platz 2.

Auf Platz 1 dieser Liste steht übrigens North Berwick. Sein Greenkeeper David Strath verewigte sich in diesem eigenwilligen und unglaublich unterhaltsamen Platz. Berichten zufolge basierte seine Arbeit allerdings auf „Tipps, die er bei einem Besuch von Tom Morris bekam“.

Diese fünf Golfplätze machen die Hälfte der 10 besten Plätze in aus. Dazu kommt noch Carnoustie, ein majestätischer, von Mythen und Legenden umrankter Links-Platz. Old Tom unterstützte Robertson bei der Erstgestaltung 1842 und erweiterte den Platz 1857 auf 18 Löcher. Doch damit nicht genug.

Der Golfplatz von Machrihanish wird am häufigsten mit Old Tom in Verbindung gebracht, vielleicht wegen der langen Schiffsreise, die er auf sich nahm, um am Mull of Kintyre einen 18-Loch-Golfplatz zu bauen. Oder vielleicht, weil dieser Links-Platz eine so zauberhafte, beseelte Atmosphäre und ein legendäres erstes Loch bietet.

Es ist absolut treffend, dass Old Tom den Royal North Devon, ursprünglich bekannt als The Burrows of Northam gestaltet hat, denn „Westward Ho!“ ist die englische Version des Old Course von St Andrews. Old Tom gestaltete ihn 1860 und kein Kenner sollte sich diesen Golfclub mit seinem teilweise als Museum eingerichteten Clubhaus und seinem minimalistischen Links entgehen lassen.

Natürlich wirkte Old Tom hauptsächlich in Schottland, denn Reisen war Ende des 19. Jahrhunderts nicht ganz so einfach wie heute, aber immerhin schaffte er es 1891 nach Donegal, wo er die Old Tom Morris Links in Rosapenna schuf. Dieser Golfplatz ist wunderschön am Rand der Sheephaven Bay gelegen und gehört zu einem der reizvollsten Urlaubsorte von Europa.

Der Einfluss von Old Tom Morris auf das Spiel, das wir heute kennen, ist ebenso weitreichend wie vielfältig.

Die von ihm gebauten Schläger und die Bälle, auf die er vertraute, machten Golf bei einem breiteren Publikum beliebt und trugen entscheidend zum weltweiten Erfolg des Sports, wie wir ihn heute kennen, bei.

Er hat nicht nur Golfplätze gestaltet, die bis heute zu den schönsten weltweit zählen, sondern auch Vorgehensweisen entwickelt, dank denen diese Plätze heute für uns so wunderbar zu spielen sind.

Seine Architekturphilosophie bei diesen frühen Golfplätzen dient bis heute als Referenz für Gestalter.

St Andrews heutiger Status als ein Mekka für Golfspieler ist zu einem großen Teil ihm zu verdanken.

Mit seinem legendären Können, seiner Rivalität mit Willie Park und seiner Beliebtheit bei den anfänglichen Geldgebern der Open Championship sicherte er Überleben und Erfolg dieser Meisterschaft. Und sein Sohn, Young Tom, führte die Legende weiter und gewann gleich viermal hintereinander.

Kaum vorstellbar, wie Golf heute aussehen würde, ohne das außerordentliche und vielfältige Leben von Thomas Mitchell Morris.

Mit Golf Traveller und den unbezahlbaren Erlebnissen von Priceless können Sie einige der berühmtesten Golfplätze von Old Tom Morris bespielen. Hier erfahren Sie mehr.

gt_oldtom_priceless3__L.jpg

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Nutzererlebnis auf unserer Website zu ermöglichen.Datenschutz