Schon immer sahen Künstler:innen eine Herausforderung darin, Bilder so lebensecht zu malen, dass sie von der Realität kaum zu unterscheiden sind. Betrachter:innen zu täuschen und Kunstwerke durch perspektivische Darstellung und die Gesetze der Optik real erscheinen zu lassen, ist eine Form der illusionistischen Malerei, auch bekannt als „Trompe-l’œil“. Früheste Beispiele sind bereits in antiken griechischen Texte beschrieben.

Trompe-l'œil ist eine in der Kunst vielfach eingesetzte Technik, insbesondere in der Renaissance und im Barock. Nach der Romantik nahm der Trend ab, verschwand jedoch nie ganz aus dem künstlerischen Repertoire.

Jetzt widmet sich die neue Ausstellung im Museum Thyssen-Bornemisza diesem spannenden Thema. „Hyperreal. The Art of Trompe l'Oeil“ bietet einen Streifzug durch das Genre und präsentiert hochwertige Kunstwerke, die die wichtigsten Themen der Staffeleimalerei widerspiegeln. Die Ausstellung umfasst mehr als 100 Werke, darunter größtenteils Gemälde, aber auch einige Skulpturen und Keramiken von über 70 Vertretern der wichtigsten Kunstschulen. Die Ausstellung deckt einen beachtlichen zeitlichen Rahmen ab, angefangen mit Werken aus der Antike, etwa einem Mosaikfragment mit drei Fasanen aus der Zeit zwischen 301–400 v. Chr., bis hin zu einem zeitgenössischen Kunstwerk, das speziell für die Ausstellung in Auftrag gegeben wurde: „Elevated Train in Brooklyn“ von Isidro Blanco.

Die Ausstellung wurde von Mar Borobia kuratiert, der leitenden Restauratorin für alte Gemälde im Museum Thyssen-Bornemisza. Sie arbeitet seit 2018 an dem Projekt und an dem begleitenden Katalog zur Ausstellung. Im Gespräch hat sie erzählt, was es ihr bedeutet hat, diese Ausstellung zu kuratieren und sie nun verwirklicht zu sehen.

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Was hat es Ihnen bedeutet, diese Ausstellung mit zu organisieren?

Es alles andere als einfach, ein Ausstellungsthema zu finden, das aktuelle Trends in der Kunst mit den Kunstwerken in der Dauerausstellung zusammenbringt und darüber hinaus für das Publikum attraktiv und interessant ist. Nachdem wir mit vielen Ideen herumprobiert hatten, führte uns der Weg zu Trompe-l’oeil – diese Form der Malerei basiert auf einem Trick oder einer Illusion, die mittels perspektivischer Darstellung Dreidimensionalität vortäuscht. Trompe-l’oeil als Kunstform findet sich nahezu durchgehend in allen Epochen von der klassischen Antike – Beispiele hierzu finden sich in antiken Quellen – bis heute, wo sie dem Realismus zugeordnet wird.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Arbeit an dieser Ausstellung meistern?

Es gab zwei Probleme: zum einen die Auswahl der Kunstwerke – denn es gibt eine schiere Menge an Werken, die perfekt zu diesem Thema passen – und zum anderen die thematische Aufbereitung in den Räumen. Das war auch die wichtigste Herausforderung, da durch die Anordnung der Kunstwerke der rote Faden durch die Ausstellung vorgegeben wird. Dies ist uns gelungen, indem wir Gemälde und Werke nach den eingesetzten Materialien gruppiert haben, um so die verschiedenen Untergattungen des Trompe-l’oeil darzustellen. So liegt beispielsweise der Fokus auf Ölgemälden aus verschiedenen Jahrhunderten, mit unterschiedlichen Techniken und aus unterschiedlichen Kunstrichtungen, deren Gemeinsamkeit die Interpretation eines Themas war.

Sind in der Ausstellung auch zeitgenössische Werke zu sehen?

In fast allen Räumen finden sich mehrheitlich Kunstwerke der Renaissance oder des Barock, aber immer auch ein Werk aus der zeitgenössischen Kunst als Kontrast. Ein Bereich der Ausstellung ist den großen Innovationen vorbehalten, die es in dieser Kunstform gegeben hat und die sich auf die heutige Ausgestaltung des Genres ausgewirkt haben. Diese Innovationen bilden den thematischen Abschluss zum zeitgenössischen Trompe-l’oeil.

In den verschiedenen Abschnitten zu Stillleben (Öffnungen, Regale, gerahmte Figuren wie auch Nachahmungen von Materialien, Objekten oder persönliche Gegenständen), wird mit den Betrachter:innen gespielt. Die Kunstwerke täuschen Dreidimensionalität vor und verleiten Betrachter:innen manchmal dazu, ihren visuellen Eindruck durch Anfassen zu überprüfen. Das Ergebnis ist eine überraschende und verwirrende Interaktion zwischen Künstler und Betrachter:innen. Nachdem der Deckmantel der Illusion gelüftet ist, eröffnet sich den Betrachter:innen in einem zweiten Moment die Botschaft, die der Künstler mit dem Werk vermittelt.

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Was war in Bezug auf die Ausstellung für Sie unbezahlbar?

Großartig war ohne Zweifel der Moment, als wir die Leihgaben aus verschiedenen großen europäischen und amerikanischen Museen und Institutionen sowie aus namhaften Privatsammlungen in Empfang nehmen durften. Die Installation der Gemälde und Werke in den Ausstellungsräumen dauerte ca. 10 Tage und war eine bereichernde Erfahrung.

Was ist unbezahlbar an Ihrer Arbeit als leitende Restauratorin für alte Gemälde?

Die Chance, mit Gemälden großer Künstler aus längst vergangener Zeit zu arbeiten, sie in Ruhe zu betrachten und sich ihnen mit oder ohne Publikum anzunähern, ist etwas ganz Besonderes und ein echtes Geschenk.

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